Die Stafflacher Wand in St. Jodok ist schon längst kein „Geheimtipp“ unter den Inntal-Kletter:innen mehr, und doch findet man hier auch an guten Tagen oft überraschend weniger Trubel als beispielsweise in der Martinswand.
Die Route „Kaffee und Kuchen“ ist eine schöne und einfache Mehrseillänge (6 SL, 5+), die wegen ihrer hervorragenden Absicherung auch gut für MSL-Einsteiger:innen geeignet ist.
Der Plan
Eigentlich wollten Sara und ich an diesem ersten Juni Wochenende die Hochtouren-Saison einläuten, aber durch die momentan leider oft schon am frühen Nachmittag einsetzenden Wärmegewitter musste eine Halbtages-Sidequest her. Genau diese fanden wir mit „Kaffee und Kuchen“ an der Stafflacher Wand, welche mit dem Zug von Innsbruck aus einfach in einer halben Stunde erreichbar ist.
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Wir stiegen also morgens am Hauptbahnhof in Innsbruck in die S6 nach Brennero/Brenner und sind etwa 25 Minuten später in St. Jodok am Brenner. Vom Bahnsteig aus kann man nun schon die Wand sehen.
Zustieg
Für die Zustieg sollte man etwa 20-30 Minuten einplanen. Wir gehen durch die Unterführung auf die andere Seite des Bahnsteiges und folgen dem gut ausgeschilderten Zustieg in den Wald hinein. Der kleine Pfad wird zeitweise etwas steil, aber bald haben wir die Stafflacher Wand vor uns. Von hier folgt man am besten der Beschilderung zum „Drytooling-Gebiet“ nach rechts und folgt, sobald man dieses erreicht hat, dem Pfad noch etwa 100 Meter weiter, die Wand immer linker Hand. Der Einstieg der Route ist beschriftet.
Die Seillängen im Detail
Ich steige die 1. SL (5/5+, 25m) vor. Erster Eindruck: Alles fest und viele Griffe und Tritte, diese allerdings aufgrund der geologischen Formation hier alle in die falsche Richtung abschüssig, sonst wären es echt nette Henkel (und die Bewertung damit bestimmt auch ein Grad niedriger, denn steil ist’s nur kurz über zwei Stufen). Am Ende der SL quert man etwas links und dort kommt auch schon der erste Stand. Generell sollte Orientierung in dieser Route kein Problem darstellen, da man dank der kurzen Hakenabstände immer der Borhakenlinie hinterherklettern kann.
Sara steigt die 2. SL (5+, 25m) vor. Hier geht es zunächst über einen etwas plattigen Pfeiler und später dann unter einem kleinen Vorsprung schräg rechts hinauf, zum nächsten Stand querend. Diese SL empfand ich persönlich als die schwierigste der Route, kann aber auch daran liegen, dass ich etwas zu groß für die Querung unter dem Vorsprung bin. Allgemein sind die SL recht ausgeglichen und es ist egal, wer anfängt, vorzusteigen. Jeder kommt auf seine Kosten.
Die 3. SL (4+, 26m) geht etwas einfacher als die bisherigen über Schrofen und ist schnell bewältigt.


In der 4. SL (5, 27m) geht es zunächst nach links querend und dann plattig nach oben. Hier nicht von dem Stand verwirren lassen, den man etwas hinter dem Ende der Querung sieht, das ist ein Abseilstand! Der nächste Stand, den wir suchen, ist rechts oben unter einem kleinen Überhang in der Verschneidung.
In der 5. SL (5/5+, 16m) geht es über eben diesen kleinen Überhang in die Verschneidung. Dieser wird oft als Schlüsselstelle der Tour angegeben, aber ist wirklich gut abgesichert (50 cm Abstände) und man kann ihn auch leicht umgehen, indem man, wie wir beide, einfach nach rechts rausspreizt. Der Stand befindet sich am Ende der Verschneidung.


Die 6. und letzten SL (5+, 27m) gehts nochmal etwas steiler zur Sache, allerdings mit vielen schönen Griff- und Trittmöglichkeiten. Danach sind wir am Gipfel. Die letzten 3 Meter muss man im einfachen, aber dennoch absturzgefährdeten Gelände an einem Fixseil herauskraxeln. Der Ausstieg ist am selben Punkt wie der des Peter-Kofler-Klettersteiges.

Abstieg / Abseilen
Man kann nach der Route entweder den Fußabstieg wählen, der gut ausgeschildert und gleich wie der des Peter-Kofler-Klettersteiges ist, oder über die Route abseilen. An dieser Stelle empfehlen wir den Fußabstieg, solange sich noch andere Seilschaften in der Wand befinden. Einerseits um unnötigen Steinschlag zu vermeiden, andererseits da einige der Stände aus der „Kaffe und Kuchen“ sowie aus der Nachbarroute „Leckerbissen“ zugleich als Abseilstände fungieren.
Wir sind heute alleine hier, bis auf eine weitere Seilschaft in „Leckerbissen“, welche bereits vor uns ausgestiegen ist und den Fußabstieg gewählt hat. Auch das Wetter passt noch, deshalb wählen wir den „spaßigen“ Weg und seilen ab.
Vom obersten Stand seilt man bis zum Stand in der Verschneidung (am Beginn der 6. SL) 25m ab. Sara verpasst diesen leider und muss weiter unten an den Stand unter dem kleinen Überhang pendeln. Nicht schlimm aber etwas nervig.
Eigentlich würde es von dem Stand aus der Verschneidung direkt an einen Absteilstand neben der 4. SL 30m senkrecht ohne Pendeln weitergehen.


Von diesem geht es nochmal 25 Meter an den Stand zu Beginn der 3. SL in der „Leckerbissen“ und von dort aus durch etwas Grünzeug 30 Meter bis auf den Boden. Nach dem Abseilen ist der Abstieg gleich dem Zustieg.
Sara fährt von St. Jodok aus mit dem Zug direkt wieder zurück nach Bozen und ich in die andere Richtung nach Innsbruck.
Fazit / Ausrüstung
Wer schwere Kletterei und alpines Abenteuer sucht ist hier nicht richtig. Alles in allem eine wirklich schöne Plaisirtour, deren Öffi-Anreise aus Innsbruck nicht viel länger dauert als zur Martinswand. Für die Kletterei an sich sollte man 2,5 – 3 Stunden (ohne Zu- und Abstieg) einplanen.
Was Ausrüstung angeht braucht man die Standard-MSL Ausrüstung für gebohrte Stände, es reicht ein 60 Meter Einfachseil. Man könnte zwei 60 Meter Halbseile hernehmen, um jeweils zwei der Abseillänge zusammenzulegen, ist meiner Meinung nach aber durch den Mehraufwand im Seilhandling nicht lohnenswert. Wir hatten 13 Exen mit, zumeist sind 14 angegeben, wenn man alles klippen möchte, was aber hier auch nicht unbedingt nötig ist wenn man den 5ten Grad beherrscht.




Lieber Jan, gratuliere zu diesem toll beschriebenen und ersten Bahn zum Berg Beitrag! Wir freuen uns auf mehr 😉
Liebe Grüße, Veronika
Vielen Dank für die netten Worte, bin ja zum Glück nicht ganz neu in der Thematik und durfte meinem Seilpartner Simon letztes Jahr schon bei dem Bericht zu unserer Nordwand-Begehung über die Schulter schauen (https://www.bahn-zum-berg.at/oetztaler-alpen/hintere-schwaerze-nordwand/).
Mehr Tourenberichte kommen demnächst auf jeden Fall noch, es ist schon was in Vorbereitung ;).
LG Jan
Also ok 🙂 ihr seids die ganz Argen! (die trotzdem mit Öffis unterwegs sind)