Pyhrniger Angerkogel mit wurzerischer Abfahrt

Auf geht’s Richtung Angeralm (vor uns das Warscheneck). Foto: Manfred Hinteregger

Der 2.114 Meter hohe Angerkogel in der Nähe des Pyhrnpasses gilt als beliebter Skitourenberg. Für uns hat er sich diesmal angeboten, weil die Schneeverhältnisse dort im Vergleich zu vielen anderen Gegenden noch halbwegs vielversprechend schienen. Wir wollten den Aufstieg vom Pyhrnpass mit einer Abfahrt über das Skigebiet der Wurzeralm verbinden.

Wir reisen über Linz und dann auf der Pyhrnstrecke an, in Spital am Pyhrn steigen wir vom Interregio-Zug in den Bus Richtung Liezen um. Das machen einige andere mit Skitourenausrüstung auch und fast alle davon steigen bei der Wurzeralm-Talstation wieder aus. Es steigen aber auch ein paar Leute dort ein, um so wie wir auf den Pyhrnpass zu gelangen. „Bahn zum Berg für Anfänger“ sozusagen… Skurril ist, dass der Bus nicht direkt zur fahrplanmäßigen Haltestelle direkt neben der Talstation fährt, sondern nur die Haltestelle am Anfang des Parkplatzes bedient („Pyhrnpass Wurzeralmseilbahn Talstation (B138)“). Weil der Parkplatz laut dem freundlichen und bemühten Chauffeur komplett zugeparkt sei, es gehe nicht anders. Da sieht man, wo die Prioritäten liegen…

Bei der Haltestelle „Pyhrnpass Kalkofen Landesgrenze“ auf 900 Metern Seehöhe steigen wir aus (nicht bei der Haltestelle Passhöhe!).

Aufstieg zum Angerkogel

Ein paar Meter gehen wir die Straße Richtung Lexgraben hinunter und dann geht der mit einem Taferl gekennzeichnete, in den Wald abzweigende Skitourenaufstieg auch schon los.

Nach einem knappen halben Kilometer im Wald kommen wir zur Straße, die zur Hintersteineralm führt, auch hier ist die Schneedecke ausreichend. Das Almgebiet (auf gut 1.000 Metern) erreichen wir nach einer knappen halben Stunde.

Auf der beschaulichen Hintersteineralm. Der weitere Aufstieg ist im Graben links der Bildmitte. Foto: Manfred Hinteregger
Auf der beschaulichen Hintersteineralm. Der weitere Aufstieg ist im Graben links der Bildmitte. Foto: Manfred Hinteregger

Wir zweigen nach links ab und gehen dann den Gschwandgraben hinauf. Dabei können wir den vorhandenen Spuren folgen, was sehr praktisch ist, da der ideale Weg nicht so eindeutig aus dem Gelände heraus erkennbar ist. Im Gschwandgraben geht es recht steil aufwärts – hier kann fleißig die Spitzkehrentechnik geübt werden.

Im oberen Bereich des Gschwandgrabens, mit erhabenem Blick zum Großen Pyhrgas (links) und zum Bosruck (rechts). Foto: Manfred Hinteregger
Im oberen Bereich des Gschwandgrabens, mit erhabenem Blick zum Großen Pyhrgas (links) und zum Bosruck (rechts). Foto: Manfred Hinteregger

Auf gut 1.300 Metern ist diese Geländestufe überwunden, wir kommen zu einer Forststraße, der wir (mit einer Abkürzung zwischendurch) folgen. Auf 1.500 Metern zweigen wir nach links ab, um weiter hinauf zur Alplhütte (Jagdhütte) unterhalb des Lärchkogels zu kommen. Beim Blick auf die Karte könnte man sich hier denken: so, jetzt geht’s gemütlich das letzte Stück zum Gipfel. Aber den Angerkogel müssen wir uns verdienen. Es ist eine anregende Umgebung mit dem Lärchen-/Zirbenwald und den Kalkrippen der Gipfel, aber nicht zuletzt durch das kupierte Gelände braucht das Vorankommen doch seine Zeit. Und seine Kraft. Dass die Schneemengen zudem nicht üppig sind, tut sein Übriges.

In der Latschenzone zwischen Bewurz- und Schwarzkoppen. Im Hintergrund links das Gesäuse, rechts die Rottenmanner Tauern. Foto: Manfred Hinteregger
In der Latschenzone zwischen Bewurz- und Schwarzkoppen. Im Hintergrund links das Gesäuse, rechts die Rottenmanner Tauern. Foto: Manfred Hinteregger

Nach knapp vier Stunden sind wir aber ganz oben am Angerkogel angelangt, das allerletzte Stück müssen wir die Ski tragen.

Der letzte Aufschwung zum Angerkogel. Foto: Martin Hinteregger
Der letzte Aufschwung zum Angerkogel. Foto: Martin Hinteregger

Oben angelangt werden wir mit einer fantastischen Rundumschau reichlich belohnt. Der Warscheneck-Stock ist direkt vor uns, im Westen ragt der Grimming gewohnt-markant in die Höhe, dahinter ist das Dachsteingebirge zu sehen.

Spannend ist es auch, die mächtige „Föhnwalze“ im Süden zu sehen (gut, dass wir weit nördlich davon sind…). Richtung Osten sind die nahen Haller Mauern recht stattliche Erscheinungen und auch der Gesäuse-Blick ist vom Angerkogel aus äußerst fein.

Abfahrt zur Angeralm und „Skiwandern“ Richtung Wurzeralm

Nach unserer herrlichen Gipfelrast machen wir uns an die Abfahrt. Wobei „Abfahrt“ für die nun bevorstehende Etappe bis ins Tal nicht so ganz der allumfassende Begriff ist. Zunächst beginnt es noch harmlos mit einer kurzen Tragestrecke, bis unterhalb des abgeblasenen Gipfels wieder der Schnee beginnt. Wir fahren zunächst auf windgepresstem Schnee und steuern die Angeralm an.

Auf geht’s Richtung Angeralm (vor uns das Warscheneck). Foto: Manfred Hinteregger
Auf geht’s Richtung Angeralm (vor uns das Warscheneck). Foto: Manfred Hinteregger

Oberhalb der Angeralm (die auf der Bundesamtskarte „Angereralm“ heißt) gibt es dann erfreulicherweise feinen Pulverschnee für uns. Nach einem kleinen Gegenanstieg geht es dann schon durch einen Lärchen-/Zirbenwald Richtung Luckerhütte hinunter. Es geht recht flott dahin und wir können praktischerweise auch hier einer vorhandenen Spur folgen. Die Abfahrt ist entlang des Sommerweges.

Typisch für unsere heutige Tour: Lichter Lärchen-/Zirbenwald. Foto: Manfred Hinteregger
Typisch für unsere heutige Tour: Lichter Lärchen-/Zirbenwald. Foto: Manfred Hinteregger

Kurz vor der Luckerhütte führt die Spur nach rechts (Osten), wieder geht es ziemlich exakt den Sommerweg entlang, wobei man hier vehement daran erinnert wird, was ein kupiertes Gelände ist…

… ebenso typisch: kupiertes Gelände, hier zu sehen im Typus eines (aus unserer Sicht) Abwärtsabschnitts. Foto: Manfred Hinteregger
… ebenso typisch: kupiertes Gelände, hier zu sehen im Typus eines (aus unserer Sicht) Abwärtsabschnitts. Foto: Manfred Hinteregger

Es zieht sich ordentlich in die Länge. Vom Gipfel bis zur Burgstalleralm brauchen wir rund 1 Stunde und 20 Minuten. Ein Stück nach der Burgstalleralm geht es endlich wieder durchgehend bergab und wir erreichen kurze Zeit später das Pistengebiet.

Achtung: Für die Abfahrt auf der Piste des Wurzeralm-Skigebiets sind die Pistensperrzeiten zu beachten! Zum Stand unserer Tour Mitte Jänner war das für die oberen Pisten 16 Uhr. Die Talabfahrt ab der Standseilbahn war bei unserem Besuch auch noch danach möglich. Eine allfällige Umfahrung und Umgehung der Piste wäre im oberen Bereich der Frauenkarabfahrt noch denkbar, weiter unten würde dies aber mühsam werden.

Es geht zunächst angenehm flott dahin, aber nach der Talstation des Gameringliftes ist wieder ein Gegenanstieg von ca. 40 Höhenmetern zu absolvieren, bei dem wir die Ski tragen. Aber dann geht es endgültig nur noch abwärts, und zwar 600 Höhenmeter bis zur Talstation.

Wir erreichen pünktlichst unseren Bus, der diesmal genug Platz hat, dass er direkt zur Talstation zufahren kann. Im Zug stoßen wir dann auf die fordernde, aber erfüllende Tour an.

Fazit

Für uns drei war das eine tadellose Eröffnung der Skitourensaison. Die landschaftlichen Eindrücke waren großartig, wir haben ordentlich was gemacht und waren nach der Tour erledigt, aber sehr glücklich.

Diese Skitour hat insbesondere durch das kupierte Gelände einen speziellen Charakter und man darf sich nicht täuschen lassen und erwarten, dass man halt moderate 1.200 Höhenmeter raufgeht und dann einfach wieder genüsslich runter ins Tal fährt. Wir sind hier schließlich im Toten Gebirge…

Für Abfahrtsorientierte ist diese Tour daher definitiv nichts! Wer jeden Höhenmeter Gegenanstieg scheut, wird Qualen erleiden.

Denjenigen, die unter Skitouren mehr verstehen als einfach nur „Raufgehen/Runterfahren mit Bergkulisse“ und die diesen interessanten Teil des Toten Gebirges einmal im Winter facettenreich erleben möchten, könnte diese Tour bei ausreichender Kondition jedoch sehr gefallen.

Zum aktuellen Fahrplan (2026) bietet sich diese Tour am Wochenende primär aus der Steiermark (oder dem Ennspongau) kommend an. Aus der „Ostregion“ ist die Zeit zwischen Bus-Ankunft und Pistensperre bzw. letztem Bus sehr knapp, sodass es nur für recht konditionsstarke, wirklich flotte Leute sinnvoll scheint.

Varianten:

  • Abfahrt zurück zum Pyhrnpass. Der steile, bewaldete Gschwandgraben sollte dabei ggf. nördlich „umfahren“ werden (am harmlosesten über die Forststraße).
  • Premiumvariante für sehr motivierte Ausdauernde bei gnädigen Lawinenverhältnissen: Von der Luckerhütte weiter geradeaus und dann nordwestlich hinauf Richtung „Zwischenwänden“ und Abfahrt über das Loigistal nach Vorderstoder.

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   7:00 Std Skitour   1.300 HM   1.400 HM   16 km   GPX Track

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