Erhebliche Lawinengefahr (Lawinenwarnstufe 3) aufgrund von Altschnee bedeutet für uns eine flache Tour auszuwählen, und sehr defensiv unterwegs zu sein. Außerdem suchten wir nach einer Skitour, die relativ weit oben startet, da die Schneelage zu diesem Zeitpunkt nicht weit ins Tal reichte.
Diese eigentlich leichte Tour führt uns von der Busstation Kaser (Villanders) über die flachen Almwiesen der Villanderer Alm zum Gasteiger Sattel, wo wir entlang eines Rückens Richtung Villanderer Berg aufsteigen, der als geographischer Mittelpunkt Südtirols gilt. Letztendlich erreichen wir aufgrund unseres defensiven Verhaltens trotzdem nur den Zwölfernock. Dafür fellen wir nochmal auf, um den schönen Tag noch länger genießen zu können.
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Mit der Bahn kommend, steigen wir in Klausen in den Bus in Richtung „Villanderer Alm“ um und entscheiden uns spontan bereits bei der Station Kaser (Villanders) auszusteigen, um den ersten Abschnitt gemütlich auf einem Forstweg durch den Wald aufzusteigen. Da der Parkplatz bei der Bushaltestelle recht leer ist, machen wir uns auf dem Parkplatz breit. Zwei von uns ziehen sich erst jetzt die Skitourenschuhe an, während wir zwei anderen bereits in den Skitourenschuhen angereist sind und nun erstmal die Sonne genießen.

Aufstieg
Wir starten gutgelaunt mit einem kurzen gemütlichen Abschnitt entlang eines Forstweges und erreichen rasch die ersten Almwiesen und biegen vom Forstweg ab, um entlang eines Wanderweges über leicht kupiertes Gelände an Almhütten vorbei aufzusteigen. Während des Aufstieges beobachten wir, wie die Tannenhäher von Zirbe zu Zirbe fliegen.


Fast am oberen Ende der Wiese angelangt, sehen wir bereits die Forststraße über uns. Wir haben aber keine Lust auf die Forststraße und entscheiden uns am Wanderweg zu bleiben. Wir folgen daher dem Zaun und gehen später durch einen kurzen, aber schönen Waldabschnitt, bis wir nicht mehr weiterkommen, ohne die Forststraße zu betreten. Nichtsdestotrotz erreichen wir relativ bald die Forststraße, der wir erstmals folgen, bevor wir sie einmal über eine Wiese kreuzen. Wieder bei der Forststraße angekommen folgen wir ihr bis zum Gasteiger Sattel, wo wir kurz nach dem offenen Gatter nach rechts Richtung Villanderer Berg abbiegen.

Zum ersten Mal sehen wir den sanften Rücken, dem wir heute folgen werden, nachdem wir den Wald seitlich passiert haben. Wir brauchen hier etwas länger, da wir uns erstmals an die gewaltigen Wumm-Geräusche gewöhnen müssen, die uns eine Weile begleiten werden – gut, dass wir uns heute für diese Tour im flachen Gelände entschieden haben! Wir achten umso mehr darauf, die flachsten Abschnitte zu wählen und konkave Geländeformen zu meiden.

Während es über uns aufklart, nähern wir uns über abwechselnd flache und mäßig steile Stufen langsam unserem Ziel. Während wir die Sonne und die Ruhe genießen, wundern wir uns, warum nicht mehr Skitourengeher:innen heute unterwegs sind. Abgesehen von zwei Skitourengeher:innen am Startpunkt, ist uns sonst noch niemand begegnet. Jedenfalls achten wir im zweiten mäßig steilen Abschnitt vorsichtshalber darauf in der Nähe vom Rücken zu bleiben und nicht zu weit nach links in den größeren Hang zu kommen.

Begleitet werden wir während der gesamten Tour von einem fantastischen Rundum-Panorama. Während wir bereits auf den ersten Almwiesen die Aussicht in die östlich von uns gelegenen Dolomiten genießen konnten, eröffnet sich nun der Blick auch Richtung Norden und Süden. In alle Richtungen ist das Wetter unterschiedlich. Wir haben Glück, denn während es richtig dunkel im Eisacktal aussieht, ist bei uns das Wetter sonnig, windstill und warm.


So heiß, dass wir eine Pause einlegen müssen, um alles bis auf unsere unterste Schicht auszuziehen.

Das Gipfelkreuz vom Villanderer Berg konnten wir bereits aus weiterer Distanz erblicken. Als wir jedoch am Zwölfernock stehen, sehen wir den Gipfelhang und stellen überrascht fest, dass das Gelände doch anders aussieht, als wir es uns von der Karte vorgestellt haben. Anstatt eines mäßig steilen Rückens, befindet sich vor uns eine tiefe Mulde zwischen steilen Hängen. Obwohl bereits eine Aufstiegsspur den Hang hinaufführt, entscheiden wir uns aufgrund der Lawinenlage gegen den Aufstieg, und geben uns mit dem Zwölfernock zufrieden.


Abfahrt
Retour geht es anfangs den gleichen Weg. Für uns bedeutet das ein paar kurze Schiebewege und größtenteils sanfte bis mäßig steile Hänge. Wir genießen die schönen, gemütlichen Schwünge im schön fahrbaren Schnee. Interessanterweise treffen wir auf der Abfahrt die einzigen zwei anderen Skitourengeher:innen heute. Sie sind aus Villanders und fragen uns, woher wir die Tour kennen. Wir dachten diese Tour wäre bekannt?

Wiederaufstieg und -abfahrt
Weil wir früh dran sind, es heute so schön ist, und wir Lust auf mehr haben, entscheiden wir uns vor dem flachen Schiebestück zum Gasteiner Sattel wiederaufzufellen und nicht ganz bis zum Zwölfernock wiederaufzusteigen, um noch einmal abfahren zu dürfen. Obwohl wir die Abfahrt wieder genießen, sind die Schneebedingungen nun wechselhaft und oftmals ist er „schwer“ geworden.

Danach geht es über Schiebestrecken und einen Zaun zurück zum Gasteiner Sattel. Wir kommen ordentlich ins Schwitzen, da wir uns noch in unserer Abfahrtsmontur befinden! Am Gasteiner Sattel angekommen, fahren wir diesmal entlang einer präparierten Forststraße über die Villanderer Alm bis zur Gasser-Hütte ab. Dort erhoffen wir uns ein Getränk zum Ausklang des Tages.


Bei der Gasser-Hütte angekommen, wo die Start- und Endstation „Villanderer Alm“ des Busses ist, haben es zwei von uns etwas eiliger nach Hause zu kommen und halten den Bus auf, der bereits losfahren möchte. Wir, die zwei anderen, entscheiden uns den Tag noch etwas zu genießen, und trinken noch etwas bei einem tollen Blick auf die Dolomiten, bevor wir den Bus eine Stunde später nehmen.


Fazit
Trotz der erheblichen Lawinengefahr (Lawinenwarnstufe 3) fanden wir eine schöne und einsame Skitour. Obwohl die Tour zu großen Teilen über flaches Gelände führt, lohnt sie sich alleine aufgrund der großartigen Aussicht in alle Richtungen, da die Route über weite Strecken an den höchsten Punkten in der Umgebung verläuft. Der Gipfelaufschwung muss wohl ein andermal nachgeholt werden.
Die Anreise mit dem Bus ermöglichte uns unterschiedliche Start- und Zielpunkte, und sogar, dass wir uns bei der Rückfahrt aufteilen konnten, um früher in Bozen anzukommen bzw. noch ein Getränk zu genießen.
Varianten und Alternativen
Neben unserer Tour von Villanders aus, gibt es viele Varianten und Kombinationsmöglichkeiten, um die Tour zu verlängern oder auf die Schneeverhältnisse anzupassen. Ein Variante ist die Sarner Scharte als mögliches Alternativ- oder Zusatzziel.
Außerdem sind mögliche alternative Ausgangspunkte Reinswald und das Skigebiet Rittner Horn. Da alle genannten Ausgangspunkte öffentlich erreichbar sind, bietet sich auch eine Überschreitung an, zum Beispiel:
- Start in Villanders und Ende in Reinswald, wenn man mehr Höhenmeter abfahren möchte als aufzusteigen.
- Start in Villanders und Ende im Skigebiet Rittner Horn bei geringer Schneelage, für eine steinfreie Abfahrt.
Alternativ bietet sich die Villanderer Alm zum Rodeln und Schneeschuhwandern an. Laut Aushang war es zu unserem Zeitpunkt möglich Rodeln oder Schneeschuhe bei der Gasser-Hütte zu mieten.
