Hintere Schwärze Nordwand

Foto: Simon Widy

In der Nordwand der Hinteren Schwärze findet man trotz der starken Auswirkungen des Klimawandels im Hochgebirge noch häufig passable Bedingungen, was sie zu einem der beliebtesten Eisanstiege im Ötztal macht. Eine längere stabile Hochdruckwetterlage, der Schneefall vorausgegangen war, ließ im Oktober 2025 auf gute Verhältnisse hoffen.

Da man von Vent über eine 8 Kilometer lange Forststraße zur Martin-Busch-Hütte zusteigt, welche auch mit dem Fahrrad befahren werden darf, entschieden wir uns dafür, unsere Mountainbikes mitzunehmen, um uns nach der langen Tour den Fußabstieg nach Vent zu ersparen. Außerdem ist man dann nicht auf die einzigen zwei Rückfahrtmöglichkeiten nach Sölden (14:22 und 17:17 Uhr) angewiesen, sondern kann bis Zwieselstein rollen, wo alle 30 Minuten Busse nach Ötztal Bahnhof fahren. Die Fahrradmitnahme lief aber leider nicht wirklich glatt…

Das mit dem Bus und dem Rad

Tirol ist ja eigentlich ein Vorreiter, was die Fahrradmitnahme in Bussen angeht (siehe „Mit dem Rad in Tiroler Öffis unterwegs„). Diesmal hat uns der Radtransport allerdings einiges an Bauchweh und zusätzliche Höhenmeter beschert: In Ötztal Bahnhof wollten wir den Bus 320 Richtung Obergurgl nehmen und dann in Sölden in den Bus 330 nach Vent umsteigen. Ich wusste, dass der Bus 320 von „Ötztaler“ im Sommer mit Radanhänger verkehrt, unsere geplanter Busfahrt wurde aber laut VVT Smartride von der Österreichische Postbus AG durchgeführt und hatte das Icon „Fahrradmitnahme begrenzt möglich“. Deshalb dachte ich, dass dieser Bus vermutlich mit einem Radheckträger ausgestattet sein würde, wie es auf VVT beworben wird.

Tja, falsch gedacht, weder Fahrradträger noch Rollstuhlplatz, also auch eine Fahrradmitnahme im Innenraum nicht möglich. Wir ließen den Bus ziehen, mit dem Bewusstsein, den Anschluss nach Vent nicht mehr zu erreichen. Aufgrund der oben erwähnten Flexibilität beim Abstieg versuchten wir aber weiterhin, mit Rad und Bus nach Zwieselstein zu kommen.

30 Minuten später kam der nächste Bus 320, diesmal von „Ötztaler“. Auch dieser hatte weder Radanhänger noch Heckträger. Der Busfahrer erklärte uns, dass eine Fahrradmitnahme im Innenraum verboten sei. Ich verwies auf das Fahrradmitnahme-Icon in VVT-Smartride und die VVT-Website, wo geschrieben steht, dass „das Fahrpersonal entscheidet, ob eine Mitnahme im Innenraum möglich ist, wenn kein Radheckträger verfügbar ist“, woraufhin der Busfahrer doch einwilligte, uns mitzunehmen, „solange nicht zu viel los ist im Bus“. Schlussendlich erreichten wir Zwieselstein und fuhren mit dem Rad die letzten 13 Kilometer und 500 Höhenmeter auf der Straße bis Vent.

Auffahrt zur Martin-Busch-Hütte

Die Forststraße zur Martin-Busch-Hütte ist stellenweise relativ steil und mit schweren Gepäck und ohne Motor durchaus eine Herausforderung. Einige Stücke schieben wir, das meiste ist aber fahrbar und so erreichen wir noch vor Einbruch der Dunkelheit den gut ausgestatteten Winterraum der Martin-Busch-Hütte mit 8 Betten. Außer uns übernachten an diesem Tag noch 5 andere im Winterraum, wir sind aber die einzigen mit der Hinteren Schwärze als Ziel.

Zustieg zur Nordwand

Mit dem ersten Tageslicht starten wir Richtung Hintere Schwärze.

Wir steigen bis etwa 2.800 Meter am Marzellkamm auf, dann auf der anderen Seite wieder etwa 200 Höhenmeter bis zur Gletscherzunge des Marzellferners ab. Hier packen wir das Seil aus und gehen auf dem spaltenreichen, aber gut gespurten Gletscher zur Hinteren Schwärze. Wir erhaschen erste Blicke auf die markante Nordwand und die Vorfreude steigt immer weiter, je näher wir kommen.

Über die Nordwand auf die Hintere Schwärze

Der Bergschrund, der oft als Schlüsselstelle der Nordwand angegeben wird, ist bei uns schneebedeckt und lässt sich leicht überwinden.

Der Bergschrund am Einstieg stellt für uns kein großes Hindernis dar. Foto: Simon Widy
Der Bergschrund am Einstieg stellt für uns kein großes Hindernis dar. Foto: Simon Widy

Die Verhältnisse in der 50° steilen Wand sind gut, weshalb das Seil anfangs im Rucksack bleibt. Etwa auf halber Höhe wird die Schneeauflage etwas dünner und wir treffen vermehrt auf Eis. Wir setzen eine erste Eisschraube und sichern von da an.

Zum Ausstieg hin wird die Wand etwas flacher und wir erreichen nach etwa 2 Stunden den Gipfelgrat der Hinteren Schwärze. Der Durchstieg ginge bestimmt auch flotter, wir haben uns aber bewusst Zeit gelassen und nichts überstürzt. Nach einem kurzen Grataufschwung (I-II) stehen wir zufrieden auf dem 3.624 Meter hohen Gipfel.

Abstieg über den Normalweg

Nach einer kurzen Rast steigen wir über den Normalweg auf den Marzellferner ab. Bis etwa 3.500 Meter bleiben wir am Grat, dann nach links auf den Gletscher. Wir überqueren eine Spaltenzone und treffen dann wieder auf unseren Aufstiegsweg, welchem wir bis zur Hütte folgen.

Nach dem Gletscher wartet der Gegenanstieg zum Marzellkamm, welcher nach der langen Tour nicht nur physisch, sondern auch mental fordernd ist. Da die Tageszeit bereits relativ fortgeschritten ist trennen sich hier die Wege von Jan und mir: Jan geht es entspannt an und verbringt noch eine Nacht am Winterraum, ich muss am nächsten Tag bereits um 8:00 Uhr auf der Uni sein und eile deshalb zu Fuß bzw. ab der Hütte mit dem Rad zur Bushaltestelle nach Zwieselstein. Die Geschichte der Anreise wiederholt sich hier, der erste Bus der kommt (320 – Postbus) verweigert die Mitnahme des Fahrrads, der Fahrer des darauffolgenden Busses (320X – Ötztaler) hat gottseidank Mitleid mit mir und so musste ich mein Fahrrad nicht in Zwieselstein zurücklassen.

Fazit

Die Tour hat für uns jegliche Probleme bei der Anreise kompensiert: Das Wetter war super, wir waren die einzigen in der Wand und haben das Erlebnis in vollen Zügen genießen können. Ein perfektes Wochenende in den Bergen!

Aufgrund der Komplikationen bei der An- und Abreise würde ich diese Tour aber im Herbst nicht in Kombination mit dem Fahrrad empfehlen. Dass man ohne Fahrrad am gleichen Tag der Tour den letzten Bus in Vent um 17:17 Uhr erreicht, ist wegen der Länge und Unsicherheit in den Bedingungen mit unnötigem Stress verbunden, welcher bei solchen Unternehmungen eigentlich vermieden werden sollte. Bei öffentlicher Anreise würde ich deshalb zwei Winterraum-Übernachtungen nahelegen. Es kann sein, dass wir einfach Pech hatten, und die Fahrradmitnahme eigentlich besser funktioniert, aber dazu habe ich keine Erfahrungswerte… Im Frühjahr mit Ski sollte die Tour auch mit nur einer Übernachtung klappen, da die Abstiegszeit um ein Vielfaches verkürzt wird.

Infos und Routenskizze

Je nach Verhältnissen/Jahreszeit entweder Firn oder Eis, bis etwa 50°steil, Hochtouren- und Eiskletterausrüstung notwendig. Im Frühjahr in Kombination mit Ski empfehlenswert. Weitere Infos: https://www.bergsteigen.com/touren/eisklettern/hintere-schwaerze-nordwand/

Ungefährer Routenverlauf (Rot: Aufstieg, Blau: Abstieg). Foto: Simon Widy
Ungefährer Routenverlauf (Rot: Aufstieg, Blau: Abstieg). Foto: Simon Widy

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   2 Tage Hochtour   2.000 HM   2.000 HM   27 km   GPX Track

4 Kommentare

  1. Da sieht man, was junge Männer für Reserven haben: nun ja, 550 Hm mehr mit dem Muskel-Bike (incl. Rucksackerl…)
    Fantastisch! (Erinnerungen an die 80er Jahre werden wach, als es auch noch eine Similaun-N-Wand gab…; und an Skitouren vor drei Jahren)
    Gratulation!

    1. Danke Karl für die netten Worte! 🙂
      Die Similaun Nordwand war sicher ein super Ziel, heute existiert sie ja leider nicht mehr wirklich… (siehe Foto 4)

  2. Gratulation zu dieser fantastischen Tour! Echt bitter, dass auf die Fahrradmitnahme in diesem Fall überhaupt kein Verlass war, aber zum Glück ist das gerade gut gegangen…

    1. Danke dir 🙂
      Ja, die Fahrradmitnahme hat uns diesmal einige Nerven gekostet, ich muss aber auch sagen, dass es bis dato immer perfekt geklappt hat…

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