Vor kurzem wurde hier ein Beitrag über Zwei Tage am Dachstein veröffentlicht. Doch der Dachstein ist groß, und ich teile hier eine ganz andere zweitägige Wanderung am wunderschönen Dachsteinplateau, die auch von Wien aus gut öffentlich erreichbar ist und mit den touristischen Attraktionen vor Ort verbunden werden kann (oder mit der zuerst genannten Tour erweitert werden kann). Die Wanderung selbst beginnt und endet bei der Krippensteinbahn. Übernachtet habe ich am Wiesberghaus.
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Keine Angst vor Schienenersatzverkehr

Von Wien kommend steige ich in Attnang Puchheim in den Schienenersatzverkehrsbus nach Bad Ischl um. Der Busfahrer schockiert uns mit einer Durchsage, dass wir aufgrund einer Tunnelsperre möglicherweise den Anschlusszug nicht erreichen. Das würde eine Stunde Aufenthalt in Bad Ischl bedeuten. Ok, es gibt Schlimmeres, aber ich bin sehr früh aufgestanden… Schließlich haben wir Glück und kommen rechtzeitig in Bad Ischl an. Gemeinsam mit vielen asiatischen Touristen trete ich die Zugfahrt nach Obertraun an, das ich nach insgesamt vier Stunden Fahrzeit erreiche. Sowohl im Bus als auch im Zug erfreue ich mich an der schönen Aussicht auf Traunsee und Hallstätter See.
Bus 543 zur Krippensteinbahn verkehrt nur stündlich, sodass ich schneller bin, wenn ich die gut zwei Kilometer zu Fuß gehe.
(R)auf geht’s
Die Seilbahn bringt mich in zwei Etappen zur Bergstation auf über 2.000 m aber ich fahre gleich mit der nächsten (kleinen) Gondel runter zur Talstation bei der Gjaidalm (1.780 m). So spare ich die zwei Kilometer wieder ein, zumal der Weg unter mir wenig attraktiv aussieht, da erwartet mich Schöneres!


Wanderweg 650 zu meinem ersten Ziel, der Simonyhütte, ist durchgehend gut beschildert. Nach ein paar Minuten erreiche ich die Gjaidalm, die bestimmt eine feine Alternative zu den Restaurants oben darstellt. Aber ich will jetzt nicht einkehren, sondern endlich loswandern. Ich bin zu meiner Überraschung ganz allein unterwegs, die anderen Wanderer sind wohl schon früher aufgebrochen, und die Touristen bleiben lieber oben. In leichtem Auf und Ab gehe ich durch die latschenbewachsenen Wiesen, immer den Dachstein mit seinem Gletscher und das abgeschliffene Gestein vor Augen.

Auch die Simonyhütte ist von Weitem sichtbar und scheint sehr weit weg und sehr hoch oben. Nach ca. vier Kilometer wird der Weg steiler. Mit jedem Schritt hinauf spüre ich, wie das Adrenalin durch meine Adern pulsiert, wie glücklich ich bin, dass ich hier in dieser wunderschönen Umgebung wandern kann.
Nach ca. 2 ½ Stunden Gehen komme ich zur Kreuzung, wo der Weg rechts zum Wiesberghaus abzweigt. Ich gehe geradeaus weiter bergauf, großteils auf Schotter, teilweise auch auf Steinen, die der Gletscher glatt geschliffen hat.
Bei einer Pause an einem der wenigen schattigen Plätze genieße ich den Blick zurück.

In kleinen Serpentinen nähere ich mich der Hütte. Ich bin beeindruckt vom “Hotel Simony”, nicht viel mehr als einer kleinen Höhle, die ab 1843 der erste Stützpunkt am Dachstein war. Sehr steil wird dann noch das letzte Stück zur Hütte.
Besuch der Simonyhütte
Wie ausgeschildert, komme ich nach 3 ½ Stunden auf der Simonyhütte (2.203 m) an. Nach einer feinen Pause mit Stärkung erkunde ich die nähere Umgebung, die Dachsteinkapelle und den Weg zum Oberen Eissee. Auch der Untere Eissee und der Gletscher wären interessant, aber ich habe ja noch ein anderes Ziel.


Weiter zum Wiesberghaus

Denselben Weg, den ich rauf gekommen bin, gehe ich wieder hinunter bis zur Kreuzung, wo ich diesmal abbiege. In angenehm leichten Bergab gehe ich zwischen den Latschen und Wiesen und faszinierenden abgerundeten und ausgewaschenen Felsen. Ich brauche ein bisschen mehr als die angegebene Stunde zum Wiesberghaus (1.884 m), was vielleicht daran liegt, dass ich immer wieder stehen bleibe und die Umgebung förmlich in mich aufsauge.
Ich habe kurzfristig einen der letzten Plätze im Matratzenlager ergattert, die Hütte ist voll. Trotzdem läuft alles irgendwie gemütlich, so wie sich die hier wohnenden Berner Sennenhunde nicht aus der Ruhe bringen lassen, wenn die Gäste dauernd über sie drüber steigen. Ein traumhafter Tag klingt mit einem köstlichen Abendessen auf der Terrasse aus.
Während eines dramatischen Sonnenuntergangs unterhalte ich mich mit Michaela, im Lager sozusagen meine Bettnachbarin, und wir entdecken viele Gemeinsamkeiten. Auch sie ist viel allein in den Bergen unterwegs, auch sie kennt die verschiedenen Gesichter des inneren Schweinehunds, der vor Beginn so einer Wanderung immer irgendeinen Grund findet, warum man besser Zuhause bleiben soll, und auch sie kennt natürlich die Freude darüber, dennoch losgegangen zu sein. Michaela wird am nächsten Tag die 1.400 Höhenmeter nach Hallstatt runter gehen. Das will ich meinen Knien nicht zumuten.

Zurück zum Krippenstein

Es ist ungewöhnlich warm, als ich nach einem großartigen Frühstück um Acht Uhr Richtung Seilbahn aufbreche. Zuerst gehe ich ca. 100 Höhenmeter gemütlich bergab, und dann fast ebenso viele wieder hinauf, teilweise über zahlreiche Stufen.

Um die Zeit hier oben ein bisschen zu verlängern, nehme ich den kleinen Umweg über das Oberfeld, ein einstiges Bundesheergelände, dessen ehem. Kaserne weithin sichtbar ist. Laut Internet wollte ein Investor selbige in ein Luxushotel umbauen, was offensichtlich (noch) nicht umgesetzt wurde. Etwas mehr als zwei Stunden nehme ich mir für den Weg von der Hütte bis zur Talstation der Seilbahn. Die Gondel aus den 60er Jahren bringt mich als einzigen Fahrgast zur Bergstation hinauf.
Bissl Sightseeing am Berg

Heute will ich mir die Attraktionen hier anschauen. Hinter der Bergstation ruht eine kleine Schafherde im Schatten. Ein Wanderweg führt in ca. zehn Minuten hinauf zur Welterbespirale, einem glänzenden Gebäude mit schöner Aussicht vom Dachstein bis zum Hallstätter See. Selbigen kann man auch von den Five Fingers, einer Aussichtsplattform, aus sehen.

War ich gestern und heute fast allein unterwegs, so befinde ich mich jetzt zwischen vielen Touristen aus allen möglichen Nationen. Beinahe eine Stunde vergeht mit Sightseeing und Selfies, bevor ich wieder mit der Seilbahn ins Tal schwebe.
Noch mehr Sightseeing
Wenn ich schon mal so nahe bei Hallstatt bin, will ich es mir auch anschauen. Besonders schön stelle ich mir die Anreise dorthin mit dem Boot vor, aber sie dauert mir dann zu lange (zurück nach Obertraun oder Hallstatt Bhf. + Wartezeit auf die Fähre), sodass ich den Bus 543 nehme, der mich in nur zehn Minuten zum Busterminal Hallstatt Lahn bringt.
Schon bin ich eine von unzähligen Besucherinnen, die in den engen Gassen schwitzen, jederzeit unvermittelt stehen bleiben, für Fotos posen und die pittoresken Häuser und den See fotografieren. Recht schnell habe ich wieder genug davon, gehe wieder zurück und warte mit einem Eis auf den Bus.

Zurück nach Wien
Bus 544 bringt mich nach Hallstatt Gosaumühle, von hier geht es für mich wieder mit dem Schienenersatzverkehr nach Bad Ischl (inklusive kleine Stadtrundfahrt), und von da mit dem Zug über Attnang-Puchheim zurück nach Wien. Mittlerweile fährt der Zug wieder durchgehend.

Sehr informativ und hilfreich bei der Planung war der Bericht von wearehappyhere über ihre Dachstein Hüttenwanderung.



