Grimming: Der mons styriae altissimus – ein echter steirischer Klassiker

Der aufgrund seiner Prominenz lange für den höchsten Berg der Steiermark gehaltene Grimming ist ein echter Klassiker in der Obersteiermark und darf deshalb wohl in keinem Bergsteiger:innen-Leben fehlen. Die hier beschriebene Variante kombiniert den Aufstieg über den Südostgrat (II+) mit dem klassischen Abstieg über das Multereck. Das grandiose Gipfelpanorama und eine abschließende Einkehr in der gemütlichen Grimminghütte runden diese (sehr) lange Tour wunderbar ab. Optional bietet sich auch der Abstieg nach Kulm (nordseitig) an, um aus der Tour eine Überschreitung zu machen.

Wie oft ich wohl schon mit dem Zug am Grimming vorbeigefahren bin und mir gedacht habe “Irgendwann will ich da auch rauf”? Ich weiß es nicht. Unzählige Male auf jeden Fall! “Irgendwann” war dann jedenfalls an einem überdurchschnittlich warmen September-Sonntag. Die Wärme (bzw. vielmehr die Hitze) haben wir durch die Südexposition der Tour ordentlich gespürt.

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Zustieg zum Südostgrat

Los geht’s ausgehend von der Bushaltestelle “Niederstuttern Ort”. Angenehmerweise hat man hier gegenüber “Auto-Sportler:innen” als Öffi-Nutzer:in keinen Startnachteil: Die Bushaltestelle ist da, wo auch die Autos ihren Parkplatz haben. “Steil” und “heiß” sind die zwei Attribute (neben vielen positiven natürlich!), die diese Tour wohl am treffendsten beschreiben. Nicht so allerdings zu Beginn. Denn bis zur Grimminghütte ist der Weg noch recht gemütlich – ideal also als “Warm-up”.

Der Ausgangspunkt der Tour in Niederstuttern. Foto: Anna, POW AT
Der Ausgangspunkt der Tour in Niederstuttern. Foto: Anna, POW AT
Schon vom Tal aus können wir den Südostgrat gut erkennen. Foto: Anna, POW AT
Schon vom Tal aus können wir den Südostgrat gut erkennen. Foto: Anna, POW AT

Danach wird es zusehends steiler, der Untergrund wechselt von federndem Waldboden auf Schotterreisen und Fels, erste Seilversicherungen tauchen auf. Am Ende eines Steilstücks befindet sich die Abzweigung, wo sich der Normalweg (via Multereck) von der Route über den Südostgrat trennt.

Es wird allmählich steiler. Foto: Hannes, POW AT
Es wird allmählich steiler. Foto: Hannes, POW AT
Die erste seilversicherte Stelle des Tages. Foto: Hannes, POW AT
Die erste seilversicherte Stelle des Tages. Foto: Hannes, POW AT
Die Karstformen machen den Grimming erst zu dem schroffen Berg als der er bekannt ist. Foto: Hannes, POW AT
Die Karstformen machen den Grimming erst zu dem schroffen Berg als der er bekannt ist. Foto: Hannes, POW AT

Der weitere Zustieg zum Südostgrat führt zunächst durch ein imposantes Kar, dann über mächtige Schutthalden bis zu einer “Plattenrampe”. Ab dort geht es dann – übertrieben gesagt – zur Sache, dh. man braucht neben den Füßen verstärkt auch seine Arme, um weiter bergwärts zu kommen.

Hier nähern wir uns bereits der “Plattenrampe”.  Foto: Hannes, POW AT
Hier nähern wir uns bereits der “Plattenrampe”.  Foto: Hannes, POW AT
Blick hinunter ins Ennstal Richtung Stainach und Irdning. Foto: Hannes, POW AT
Blick hinunter ins Ennstal Richtung Stainach und Irdning. Foto: Hannes, POW AT

Der Südostgrat

Schon vom Grat aus ist die Aussicht überragend. Praktischerweise gibt es zwischendrin immer wieder flachere Passagen, die man gut nutzen kann, um mal durchzuschnaufen und die Aussicht zu genießen. Die technische Schwierigkeit würden wir als überschaubar klassifizieren. Dennoch sollte der Grat natürlich nicht unterschätzt werden, immerhin ist die schwierigste Stelle (nach einem Kamin mit Klemmblock im Mittelteil) mit II+ bewertet. Die meisten Abschnitt sind jedoch im Schwierigkeitsgrad I angesiedelt. Wir haben unterwegs ein Paar getroffen, wo eine Person die andere körpergesichert hat – das wäre also eine gangbare Möglichkeit für den Fall der Fälle. Bei trockenen Verhältnissen, wie wir sie hatten, war der Grip super, nur ganz selten etwas “speckig”. Bei Nässe, so sagen es andere Tourenberichte im Netz, ist dringend von der Begehung über den SO-Grat abzuraten. Sich vorab mit dem Topo zu beschäftigen ist definitiv empfehlenswert.

Uns hat der Südostgrat jedenfalls sehr gut gefallen, nachfolgend ein paar Impressionen davon:

Schon mitten im Südostgrat geht unser Blick erneut hinunter ins Ennstal - diesmal können wir auch schon die heimatlichen “Xeis”-Berge erkennen.  Foto: Hannes, POW AT
Schon mitten im Südostgrat geht unser Blick erneut hinunter ins Ennstal – diesmal können wir auch schon die heimatlichen “Xeis”-Berge erkennen.  Foto: Hannes, POW AT
Eine der lustigeren Passagen am Grat: Kleingewachsene Leute können hier die Alternativroute “unten durch” wählen. Foto: Niklas, POW AT
Eine der lustigeren Passagen am Grat: Kleingewachsene Leute können hier die Alternativroute “unten durch” wählen. Foto: Niklas, POW AT

Gipfelpanorama

Der Dachstein (ganz links) ist ebenso Teil des Gipfelpanoramas wie das Ausseerland mit dem Toten Gebirge. Im Vordergrund die Biwakschachtel am Gipfelplateau. Foto: Anna, POW AT
Der Dachstein (ganz links) ist ebenso Teil des Gipfelpanoramas wie das Ausseerland mit dem Toten Gebirge. Im Vordergrund die Biwakschachtel am Gipfelplateau. Foto: Anna, POW AT

Abstieg

Oft ist es doch so, dass man oben am Gipfel ankommt, eventuell schon leicht ermüdet vom Aufstieg, und sich denkt: “Jetzt zum Glück nur mehr runter!”. Tja, für den Grimming würde ich das so nicht unterschreiben: Wir haben für den Abstieg fast gleich lang wie für den Aufstieg gebraucht. Das mag zum einen daran liegen, dass man bergab deutlich mehr Strecke zurücklegt als über den Grat hinauf, aber ist sicher auch darauf zurückzuführen, dass der Abstieg auch recht technisch ist – jedenfalls zurecht “schwarz” markiert!

Wir gehen’s wieder an, auf ins Tal! Foto: Hannes, POW AT
Wir gehen’s wieder an, auf ins Tal! Foto: Hannes, POW AT
Blick zurück auf den Gipfel. Foto: Anna, POW AT
Blick zurück auf den Gipfel. Foto: Anna, POW AT
Das erste Stück des Abstiegs bis zum Multereck.  Foto: Anna, POW AT
Das erste Stück des Abstiegs bis zum Multereck.  Foto: Anna, POW AT

Das erste Stück bergab bis zum Multereck ist landschaftlich abermals sehr lohnend. Hier kann man nochmal den Ausblick und die schroffe Schönheit des Grimming genießen, bevor dann der anspruchsvolle Teil des Abstiegs kommt. Der ist nämlich fast durchgehend ziemlich ungemütlich steil und großteils auch mit viel lockerem Material überlagert, wodurch man schnell mal ins Rutschen kommt, teilweise auch mit Seilversicherungen und Eisenstiften. Gemütlicher wird es dann erst wieder kurz vor der Grimminghütte. Dort weiß man’s dann aber umso mehr zu schätzen!

Im Abstieg hat man nochmals einen guten Blick auf die Schutthalde, die “Plattenrampe” und den SO-Grat, die wir schon aus dem Aufstieg kennen. Foto: Anna, POW AT
Im Abstieg hat man nochmals einen guten Blick auf die Schutthalde, die “Plattenrampe” und den SO-Grat, die wir schon aus dem Aufstieg kennen. Foto: Anna, POW AT

Ebenfalls sehr zu schätzen wussten wir die Kulinarik auf der Grimminghütte – das perfekte finale nach einer langen und anstrengenden Bergtour! Von dort ist es nämlich nur mehr ein Katzensprung hinunter zur Bushaltestelle (ca. 30 Minuten).

Vom Vorplatz des Bahnhofs Stainach-Irdning haben wir auf der Heimreise nochmals einen schönen Blick auf die abendliche Silhouette des Grimmings. Foto: Anna, POW AT
Vom Vorplatz des Bahnhofs Stainach-Irdning haben wir auf der Heimreise nochmals einen schönen Blick auf die abendliche Silhouette des Grimmings. Foto: Anna, POW AT

Fazit

Das Panorama am Gipfel bzw. auch schon im Aufstieg über den SO-Grat ist unglaublich schön! Der Zustieg und – noch viel mehr – der Abstieg fällt dafür für unseren Geschmack etwas lang aus. Als Alternative bietet sich der nordseitige Abstieg nach Kulm an (hier beschrieben von Karl). Dadurch müssten man allerdings auf den Einkehrschwung in der Grimminghütte verzichten.

Summa summarum eine beeindruckende Tour, die vieles bietet, auch die weniger angenehmen Seiten des Bergsteigens – ein echter Klassiker eben?

Wir werden uns den Grimming bestimmt mal wieder vornehmen – aber vielleicht nicht gleich nächstes Jahr 😉

Tipp

Unbedingt genug zum Trinken mitnehmen, insbesondere an heißen Tagen! Es gibt unterwegs de facto keine Auffüllmöglichkeiten (abgesehen von einer kleinen Quelle, etwas abseits des Weges, wo es aber eher raustropt als -rinnt). Um die Notwendigkeit, viel zum Trinken mitzunehmen, noch zu unterstreichen, eine kleine Anekdote: Wir haben in der Grimminghütte gleich zwei Getränke pro Person bestellt vor lauter Durst! Die Hüttenwirtin meinte daraufhin, dass die Leute an ganz heißen Tagen üblicherweise sogar drei Getränke bestellen. Auf Basis meiner Erfahrungen würde ich zwei Liter pro Person empfehlen.

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   12:00 Std Wandern   1.750 HM   1.750 HM   8 km   GPX Track

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