Wie jedes Jahr gönne ich mir ein paar erholsame Tage im schönen Gosautal im oberösterreichischen Salzkammergut. Dank der vielen Touristen gibt es inzwischen gute Busverbindungen im Stundentakt zwischen dem Bad Ischl und dem Gosausee. Da ich in Gosau Vordertal einsteige, habe ich nur 15 Minuten Fahrzeit bis zum See und genieße es wieder ganz bewusst, dass der Bus mich direkt bis zum See hinaufbringt, während diejenigen, die mit dem Auto angereist sind, noch einen steilen heißen Aufstieg entlang der Straße bewältigen müssen.
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Start am Vorderen Gosausee


Nur wenige Schritte von der Bushaltestelle entfernt entfaltet sich schon das berühmte Panorama mit dem See im Vordergrund und dem Dachsteinmassiv im Hintergrund. Weil es erst kurz nach 9 Uhr ist, liegt aber noch ein Dunsthauberl über dem Gletscher.

Ich starte auf der linken Seite und der breite Weg führt immer am Ufer entlang bis zum hinteren Ende des Sees. Auf halber Strecke passiere ich dabei den Badeplatz der Einheimischen – Bärntal genannt. Aber noch ist es zu kühl für ein Bad im glasklaren See.

Kurz nach dem Badeplatz passiert man die Felswand, über die ein stark frequentierter Klettersteig führt. Einige werden diese Stelle aus dem Film „Die Wand“ kennen, sie ist auf jeden Fall sehr eindrucksvoll.

Weiter zum Hinteren Gosausee
Am Ende des Sees führt der Weg immer geradeaus leicht bergan durch einen schönen Bergwald. Nachdem man den kleinen Almboden beim Forsthaus und die Gosauer Lacke – in diesem Jahr leider fast ausgetrocknet – passiert hat, wird der Weg etwas steiler und ich komme doch noch ins Schwitzen. Wenn man dann den wunderschönen Ahornboden erreicht hat, sind die 250 Höhenmeter geschafft und der Hintere Gosausee ist nicht mehr weit.

Hinter dem Ahornboden öffnet sich plötzlich der Blick auf den Hinteren See, und auch wenn ihm dieses Jahr viel Wasser fehlt, ist der Anblick doch beeindruckend. Jetzt geht’s rechts am See entlang bis zur Oberen Holzmeisteralm am Talschluss.

Während ich ganz gemütlich am fast ebenen Weg unterwegs bin, öffnet sich der Blick auf die Bergflanke, über die der steile Weg zur Adamekhütte und zum Gletscher führt. Ich erinnere mich dabei an die Erzählungen meines 85-jähren Onkels, der als junger Mann die Aufgabe hatte, mit dem Muli (Maultier) täglich den Tagesbedarf auf die Adamekhütte zu bringen – ein immerhin vierstündiger Aufstieg!

Bei der Einkehr in der Holzmeisteralm stelle ich amüsiert fest, dass das „Griaß di“ der Einheimischen inzwischen von Lautsprecherdurchsagen in Englisch mit tschechischem Akzent abgelöst wurde. Aber es ist alles gut organisiert und die Bauernkrapfen sind ganz frisch und köstlich.
Auch wenn der Rückweg vorerst über die gleiche Strecke führt, bieten sich doch neue schöne Ausblicke. Da die Hitze inzwischen an Fahrt aufgenommen hat, bin ich froh, als ich wieder in den Schatten des Waldes eintauchen kann.

Wieder geht’s durch den Ahornboden hinunter bis zur Niederen Holzmeisteralm, die sich hinter dem Forsthaus versteckt. Hier biege ich links vom Weg ab und stelle erstaunt fest, dass aus der bewirtschafteten Alm inzwischen so etwas wie ein Jugendtreff mit Bierspezialitäten und Liegestühlen auf der Wiese geworden ist.

Jetzt geht’s noch ein kurzes Stück auf einem kleinen Weg durch den Wald, und schon erreicht man wieder den Vorderen Gosausee. Hier halte ich mich wieder links und suche am seichten Ende des Sees nach einem geeigneten Badeplatz.

Am Schwemmkegel eines einmündenden Baches gibt es einen schönen kiesigen Einstieg in den See. Nach einem Sommer wie diesem ist das Wasser angenehm warm und doch erfrischend. Wer hätte vor dreißig Jahren gedacht, dass aus dem kalten Gosausee einmal ein stark frequentierter Badesee wird?

Kurz bevor man wieder das vordere Ende des Sees erreicht, gibt es noch einmal einen geeigneten Badeplatz und einen schönen Blick auf den Gosaukamm mit dem großen und kleinen Donnerkogel.

Und schon ist das Ende der Wanderung erreicht und ich werfe noch einen letzten Blick zurück in Richtung Dachstein. Die kurze Wartezeit auf den Autobus überbrücke ich mit einem Eis und dann geht’s wieder zurück ins Hotel.
Fazit
Eine wunderschöne, sehr einfache aber doch ausgiebige Wanderung, für die man weder eine besondere Kondition noch eine spezielle Ausrüstung benötigt, gute Wanderschuhe und Regenschutz reichen völlig aus. Dass in den Sommermonaten inzwischen wirklich viele Touristen aus aller Herren Länder unterwegs sind, muss man einfach akzeptieren, denn die Landschaft ist so schön, dass natürlich auch andere etwas davon haben wollen. Wenn man es etwas einsamer haben will, muss man auf die Vor- und Nachsaison ausweichen. Allerdings kann es dann passieren, dass der Vordere Gosausee nicht ganz voll ist, da der Wasserspiegel im Winterhalbjahr um einige Meter abgesenkt wird.
Die vielen Touristen haben immerhin bewirkt, dass es inzwischen gute Busverbindungen im Stundentakt gibt. Wenn man von weiter her anreist, nimmt man am besten die Regionalbahnlinie zwischen Attnang-Puchheim und Stainach-Irdning und steigt in Steeg-Gosau in den Bus um.



