Die hier beschriebene Unternehmung soll einen Beitrag leisten, die vielfältigen alpinistischen Möglichkeiten, die der Salzburger Hausberg bietet, zu würdigen. Der reine Genusswanderer wird sich abwenden, der unternehmungslustige Alpinist oder Abenteurer wird einen Floh ins Ohr gesetzt bekommen.
Mit Plan zum Berg – Personalisierte Fahrplanabfrage
Wenn sich genügend Adrenalin angesammelt hat und die Verhältnisse passend erscheinen, dann kann man zur Zeit der Salzburger Magnolienblüte nicht nur das Schneeschuhparadies auf der Hochfläche des Untersbergs durchstreifen, man kann für den Zustieg zur Hochfläche auch einen der wildesten und einsamsten Gräben der Untersberg-Nordseite wählen, den Schoßgraben: Ein schmaler Eingang führt in einen breiten Kessel, dessen Begrenzungswände unüberwindlich scheinen. In der südwestlichen „Ecke“ aber findet man im Sommer alte Eisenversicherungen und in den Fels geschlagene Stufen. Im Winter ist dieses Eck lange Zeit der Sonne unzugänglich, nicht aber die umliegenden Wände. Darum kann man kleine Eisfälle bewundern und die etwa 60 Meter hohe Steilflanke (der Hangneigungs-Layer geht in den tiefroten Bereich, also jenseits der 45°) als Mini-Eistour ins Tourenbuch aufnehmen.
Der Zustieg führt von der Haltestelle „Fürstenbrunn Volksschule“ der Buslinie 21 über Forststraßen zum Ausgang des Schoßgrabens.

Nun stellt sich die Frage, wie man am besten „durch den Geburtskanal“ in den Schoß kommt. Man hält sich im Sinne des Aufstiegs an die linke, ungemein beeindruckende, vielfarbige Felswand.


Bald findet man Steigspuren/Wildfährten, denen man mal besser, mal schlechter folgen kann. „Mühsam“ ist das passende Adjektiv für diesen Aufstieg, der sich in zwei Etappen gliedern lässt: Zuerst: von der Forststraße zu einem mit Felsen übersäten, ebenen Platz.


Dann: Im noch steileren Gelände (40-45°; je nach Vegetation mal nahe der Felswand, mal mehr im Wald – man muss sich den Weg nach eigenem Gutdünken und eigenen Vorlieben suchen) aufwärts zu einer – offenbar von Untersberg-Vagabunden immer wieder genutzten – Nische.


Von hier überblickt man den Schoß – und die Blicke dürfen sich an das Weiß der angestrebten Wand gewöhnen.

Von dieser Nische empfehle ich, weiter anzusteigen, bis etwa 1.250 Meter, und erst dann nach rechts zu queren, wobei man mit etwas Glück Steigspuren/Wildfährten nutzen kann. Man hält sich immer oberhalb der letzten Bäume, die vielfach von Lawinen und Steinschlag gezeichnet sind.
Je weiter man nach Westen kommt, desto länger und tiefer werden die Schneezungen. Irgendwann ist der rechte Ort, um die Schneeschuhe zum Einsatz zu bringen.

Die Nahumgebung wird immer wilder und prächtiger. Schließlich steht man in einer Eiszapfen-Arena und kann mit sich (oder dem Partner/der Partnerin) die Linie für einen passenden Durchstieg gustieren.





Diese wird je nach Verhältnissen (ich traf immer tiefen Schnee und darunter Eis an), Ausrüstung (Steigeisen? Schneeschuhe? Pickel? Eisgeräte?) und Können differieren.
Hat man diese Schlüsselstelle (mit Stolz und/oder Erleichterung) hinter sich gebracht, steht dem entspannten Schneeschuhwandern ein riesiges Reich offen.

Ob man nur entlang des Sommerweges zur Klingeralm geht oder lieber zur Vierkaseralm oder gar noch Energie für den Mitterberg im Gepäck hat – wer weiß?

Wer meint, für solch alpinistischen Leckerbissen weit fahren zu müssen, dem sei gesagt: Bequem im ½ (oder gar ¼!) Stunden Takt vom Salzburger Hauptbahnhof zum Ausgangspunkt und zurück vom Steinerwirt im Stunden (Wochenende) oder ½ Stunden Takt: Das Gute liegt so nahe!
P.S.: Ich hab hier nur den Schoßgraben selbst beschrieben. Wer für den Zustieg/Abstieg etc. Anregungen braucht, wird sie hier ausreichend finden:



