Die Höllwand, die höchste Erhebung des mächtigen Gebirgsstocks am Eingang ins Großarltal, stand schon länger auf meiner To-do-Liste. An einem herrlichen Wintertag konnte ich dieses Vorhaben als Bike & Snowshoeing Tour verwirklichen. Es wurde keine Einsteiger-Unternehmung, sondern bekam phasenweise (mit Absicht) den Charm einer Eistour.
Die freundliche Schaffnerin hilft mir, mein schweres E-Bike in den Regionalzug zu hieven.

Die Strecke von St. Johann ins Großarltal ist mir mittlerweile vertraut, auch die Abzweigung zur Mooslehnalm ist gut beschildert und leicht zu finden. Vermutlich ist es u.a. dem Hotel Alpenklang geschuldet, dass die Straße so gut geräumt und trocken ist. Doch als sie sich nach einer Kehre gen Süden wendet und somit zu so Etwas wie einem Nordhang wird, ist sie mit Schnee- und Eisresten bewährt: Achtung beim Hinuntersausen!

Schließlich geht es zwischen Stall und Wohnhaus des Hofes Holzlehen – wohl der höchstgelegene Bauer im ganzen Tal, 1.300 Meter! – zum Parkplatz beim „Himmelsknoten“, der nur als Kehre ausgeschoben ist. Kein Problem für einen Bike-Abstellplatz.

Nun wird auf Wandern umgerüstet, die Überhose bleibt im Gepäckskorb und die Windjacke kommt in den Rucksack. Ein mächtiger LKW mit Ketten rollt langsam an mir vorbei, und dann stinkt es nicht nach Diesel, sondern es duftet – wie unerwartet! – nach Fichtenreisig…
Nach ein paar Schritten zweigt ein – meinen Landkarten-Layern fremder – mit Schneeschuhen begangener Steig ab; ziemlich eisig.

Also: Schneeschuhe an die Füße – und die werden mich bis zur Gipfelanstieg der Höllwand nicht mehr verlassen.
Die Einladung der Mooslehnalm muss ich leider ausschlagen; ich habe zu viel vor.

Am Weg zur Schied-Hochalm entschlüsselt sich das Rätsel um den Duft des LKWs.

Nachdem ich vom Forstweg auf den Steig abgezweigt bin, wird das lockere Dahinschreiten zum Stapfen: ich breche durch die Harschkruste, es wird so richtig ansträngend.

Meine Versuche, möglichst kräfteschonende Weg-Varianten zu wählen, sind nicht immer von Erfolg gekrönt. Doch schließlich geht es aus dem Wald auf die südöstlich exponierte Almwiese: der Harschdeckel ist – da an den Vortagen von der Sonne trefflich bearbeitet – härter, wird gerade oberflächlich in Firn verwandelt.
Der Schied-Hochalm, die im Sommer von der anderen Seite her von einer Straße erreicht wird, kann ich die Einladung zur Rast nun nicht mehr ausschlagen. Gleichzeitig erwäge ich, die Bindung an den Sommerweg aufzulösen und mir frei im Gelände die angenehmste Route – oder was ich dafür halte – zu suchen.

Ich bleibe auf der Sonnseite, meide das schattige Tiefschneekar, suche mein Spur, werde von einer schönen Schnee-Düne, die dem Almkreuz entgegenzieht, verführt, stehe unter der Wechte, nütze – den Rucksack vor mir her schiebend – den Raum zwischen Wechte und Wechtenkeil als Kriechband und mit einem beherzten Schritt stehe ich fast schon auf dem Schiedreitspitz.

Der Blick auf den aperen Südhang zur Höllwand lässt mich die Schneeschuhe deponieren.
Wie gut, dass die SnowSpikes mit sind. Ohne sie hätte ich die steilen, an den Übergängen von der Wiese beinharten Schneepassagen nicht wagen dürfen. Zugegeben: der Blick auf die 400 Meter hohen, fast durchgehend um die 50° steilen Südabstürze der Höllwand braucht gute Nerven.
Aus Freude, heute den lang gehegten Gipfelwunsch erfüllt bekommen zu haben, trage ich mich ins Gipfelbuch ein, der erste Eintrag 2026.

Zurück bei den Schneeschuhen entscheid ich, durch eine Rinne (Schiedgraben), die ersten Meter sind wohl 50°, abzusteigen, sozusagen in Frontzackentechnik; ganz oben ist der Schnee durch die Sonne aufgeweicht, die Zacken der Schneeschuh greifen in den gefrorenen Boden durch.

Nach vielleicht 100 Höhenmetern gehe ich wieder ein paar Schritte Gesicht voran, dann wird es wieder härter und ich drehe mich nochmal um, bis ich in den flacheren schattigen Bereich mit bequem-tiefem Schnee quere.

Schließlich geht es auf matschigem Schnee, zuletzt mit den SnowSpikes, zurück auf die Almstraße und flotten Schritts zum Himmelsknoten. Von dort plane ich 45 Minuten zum Bahnhof ein, also sind mir bis ¾ 3 noch 20 Minuten Rast gegönnt – endlich.
Als ich dann nach 35 Minuten Fahrt den Bahnhof erreiche, wird gerade ein Zug angekündigt. Ich habe ja noch zehn Minuten Zeit, schaue auf die Anzeige, schalte nochmal das E-Bike ein und sause, die praktische, aufzuglose Unterführung nützend, auf Bahnsteig 3 hinüber und in den Niederflurwagon. Der Ärger über mich, mir die falsche Abfahrtszeit eingeprägt zu haben, blieb mir erspart. Und – nachdem der Schaffner mein Klimaticket kontrolliert und ich mich gestärkt hatte – war ein Schläfchen angesagt.

Den Schiedreitspitz/das Almkreuz hätte man ab ca. 1.500 Metern auch als Skitour besuchen können. (Doch wer mag, für die wage Aussicht auf vielleicht 200 Höhenmeter Schwingen im Pulverschnee die Ski eine ¾ Stunde lang tragen?) Die Höllwand als Skitour von dieser Seite (Route auf der Kompass-Karte), na ja… Bei wenig Schnee bieten sich, wenn man diesen Gipfel im Winter sein Eigen nennen will, die Schneeschuhe und die SnowSpikes an. Für eine hochalpine Unternehmung ist die Höllwand allemal gut!

Sehr gut und unterhaltsam geschriebener Bericht ! War im Sommer das erstmal im Großarltal (zum Modellfliegen und Gamskarkogelbesteigung) und kann die erwähnten Orte gedanklich zuordnen. Da fahr ich (68) wieder hin, vielleicht sogar öffentlich (;-)) !